Die Wissenschaft
Was sagt die Forschung?
Zu bedenken: Die Wirkungen einer MOTS-c-Gabe wurden bei Mäusen gezeigt, nicht beim Menschen. Studien am Menschen messen bisher natürliche Werte oder genetische Varianten. Das zeigt Zusammenhänge, aber keine Ursache und Wirkung.
Die Studien zu MOTS-c lassen sich in drei Gruppen einteilen: Tierversuche, Beobachtungen am Menschen und Fragen zur Messung.
Studien an Mäusen
- Stoffwechsel (Cell Metab, 2015): Injektionen verhinderten alters- und fettkostbedingte Insulinresistenz sowie ernährungsbedingtes Übergewicht.
- Gensteuerung (Cell Metab, 2018): bei Glukoseentzug gelangte MOTS-c in den Zellkern und wirkte mit NRF2 zusammen, einem wichtigen Regulator antioxidativer Gene.
- Körperliche Leistungsfähigkeit (Nat Commun, 2021): behandelte Mäuse jeden Alters schnitten besser ab, und drei wöchentliche Dosen, im Alter begonnen, verbesserten Leistungsfähigkeit und gesunde Lebensspanne.
Studien am Menschen
- Training (2021): Training erhöhte MOTS-c in der menschlichen Skelettmuskulatur und im Blut.
- Diabetesgenetik (Aging, 2021): eine Auswertung dreier Kohorten mit 27.527 Personen ergab, dass Männer mit der K14Q-Variante häufiger Typ-2-Diabetes hatten, vor allem die am wenigsten aktiven. Bei Frauen zeigte sich kein solcher Zusammenhang. Bei Mäusen verbesserte das Variantenpeptid die Glukosetoleranz nicht so wie normales MOTS-c.
- Muskelfasern (2022): bei japanischen Teilnehmenden hatten Träger derselben Variante mehr schnell zuckende Fasern. Sie kam bei Sprint- und Kraftsportlern häufiger vor (6,5 %) als bei Kontrollpersonen (5,1 %) oder Ausdauersportlern (2,9 %).
- Kraft (Int J Mol Sci, 2023): bei 20 aktiven Freiwilligen gingen höhere MOTS-c-Ruhewerte im Serum mit mehr Muskelmasse und Sprungkraft einher, nicht aber mit der aeroben Kapazität.
Ein Messproblem
Das Kölner Anti-Doping-Labor entwickelte einen massenspektrometrischen Test mit einer Empfindlichkeit von 100 Pikogramm pro Milliliter. Im Vergleich mit einem kommerziellen Antikörpertest konnte es die natürlichen Blutwerte, die das Kit angab, etwa 46 bis 219 Nanogramm pro Milliliter, nicht bestätigen. Das stellt einige veröffentlichte Werte für MOTS-c im menschlichen Blut infrage.
Was fehlt
- Keine veröffentlichte kontrollierte Studie hat MOTS-c selbst am Menschen geprüft.
- Die einzige registrierte Studie einer verwandten Verbindung, CB4211, hat keine veröffentlichten Ergebnisse.
- Ein Großteil der zentralen Forschung stammt von der Entdeckergruppe, deren Mitglieder kommerzielle Verbindungen offengelegt haben.
- Die Langzeitfolgen einer Anhebung von MOTS-c über das natürliche Niveau sind unbekannt.
Fazit
MOTS-c ist ein echtes, messbares Signal der Mitochondrien mit bemerkenswerten Effekten bei Mäusen. Ob eine Gabe beim Menschen helfen würde und mit welchem Risiko, wurde in veröffentlichten Studien nicht untersucht.
Quellen
- Lee C, et al. The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance. Cell Metab. 2015;21:443-454. PMID 25738459
- Kim KH, Son JM, Benayoun BA, Lee C. The mitochondrial-encoded peptide MOTS-c translocates to the nucleus to regulate nuclear gene expression in response to metabolic stress. Cell Metab. 2018;28:516-524. PMID 29983246
- Knoop A, Thomas A, Thevis M. Development of a mass spectrometry based detection method for the mitochondrion-derived peptide MOTS-c in plasma samples for doping control purposes. Rapid Commun Mass Spectrom. 2019;33:371-380. PMID 30394592
- Reynolds JC, et al. MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis. Nat Commun. 2021;12:470. PMID 33473109
- Zempo H, et al. A pro-diabetogenic mtDNA polymorphism in the mitochondrial-derived peptide, MOTS-c. Aging (Albany NY). 2021;13:1692-1717. PMID 33468709
- Kumagai H, et al. The MOTS-c K14Q polymorphism in the mtDNA is associated with muscle fiber composition and muscular performance. Biochim Biophys Acta Gen Subj. 2022;1866:130048. PMID 34728329
- Domin R, et al. MOTS-c serum concentration positively correlates with lower-body muscle strength and is not related to maximal oxygen uptake. Int J Mol Sci. 2023;24:14951. PMID 37834399